Klettersteig in Breitenbrunn

Klettersteig in Breitenbrunn

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In Breitenbrunn, genauer im Ortsteil Erlabrunn, liegt der Walter-Keiderling-Klettersteig, ein absolutes Muss für jeden Klettersteigbegeisterten im Erzgebirge. Auf Grund seiner unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und der vorhandenen Ausstiege in seinem Verlauf ist der Klettersteig gerade für Einsteiger bestens geeignet.

Diese Route war auch mein erster Kontaktpunkt mit dem Thema Klettersteig und ich bin ihn jetzt schon mehrfach gegangen. Deshalb muss der Walter-Keiderling-Klettersteig einfach seinen Platz bei hikerz finden, den ich ihm hiermit einräume.

Die Anfahrt

Die Anfahrt ist einfach und leicht zu meistern. Man fährt einfach entlang des Schwarzwassertals von Schwarzenberg in Richtung Johanngeorgenstadt bis man nach Erlabrunn, einem Ortsteil der Gemeinde Breitenbrunn, kommt. Direkt auf der Hauptstraße geht die Zufahrt zum Krankenhaus Erlabrunn nach rechts weg und ist deutlich ausgeschildert. Auf gleicher Höhe zu dieser Zufahrt geht ein kleiner Weg mit Brücke über das Schwarzwasser von der Hauptstraße nach links ab-das ist eure Ausfahrt. Nach Überquerung des Flusses und ca. 10 weiteren Metern landet ihr auf einem Schotterparkplatz. Dieser ist als Parkplatz Klettersteig ausgeschildert und stellt den Ausgangspunkt für eure Unternehmung dar. Kommt man aus Richtung Johanngeorgenstadt ist die Zufahrt die gleiche, nur seitenverkehrt.

 

Der Zustieg

Der Zustieg ist genauso simpel wie die Anfahrt. Nachdem ihr am besten schon am Auto eure Ausrüstung angelegt habt, geht ihr ungefähr 25 Meter die Straße entlang die seitlich von einer Gartenanlage begrenzt wird. An dieser Stelle müsst ihr einen unbeschrankten Bahnübergang meistern, also bitte Vorsicht. Da die Erzgebirgsbahn hier aber sehr langsam fährt und sich durch lautes Hupen deutlich ankündigt sollte es zu keinen Problemen kommen. Diese kleine Gefahrenstelle hat aber auch einen Vorteil. Der Bahnhof Erlabrunn liegt nur ca. 50 Meter vom oben genannten Parkplatz entfernt und eine Anreise mit dem Zug ist somit auch ganz praktisch möglich (somal die Bahnstrecke auch entlang des Schwarzwassers verläuft und landschaftlich sehr schön ist). Direkt nach dem Bahnübergang biegt ihr nach rechts in den Waldweg ein und folgt ihm. Nach 50 Metern auf diesem Weg liegt der Einstieg zum Klettersteig auf der linken Seite und ist durch ein kleines Geländer und eine Infotafel deutlich erkennbar.

Auf dieser Tafel bekommt ihr dann auch eine Erklärung für den Namen des Klettersteigs geliefert. Er ist Walter Keiderling, einem verstorbenen Mitglied der Bergwacht Johanngeorgenstadt gewidmet und zu seinem Andenken durch den Verein Outdoor-Team Westerzgebirge e.V. gebaut worden. Neben dieser Information befinden sich noch Sicherheitshinweise auf der Tafel. Auch das ist ein Fakt der besonders für Einsteiger interessant sein dürfte. Als drittes und letztes liefert die Tafel Infos über die Schwierigkeitsgrade der unterschiedlichen Abschnitte. Die international anerkannte Einstufung der Schwierigkeiten könnt ihr meinem Beitrag über die Klettersteigwelt Wolkenstein entnehmen. Sehr schön finde ich auch, dass von den Erbauern neben dem Einstieg einige Meter Stahlseil in Hüfthöhe zum Erdboden angebracht wurden. Hier kann man Neulinge in die Technik einweisen und die ersten Schritte üben. Ein Beispiel für die Eignung als Einsteigerstrecke.

Der Einstieg/Die Strecke

Den Einstieg selbst bildet eine 3 Meter lange Leiter, neben der ein paar Bohrhaken angebracht sind, denn auch hier gibt es Möglichkeiten zum Sportklettern im Vorstiegs- und/oder Top-Rope-Verfahren. Nachdem ihr die Leiter geschafft und ein paar weitere Meter ziemlich senkrecht geklettert seid, habt ihr schon eine interessante Höhe erreicht. Ab hier geht es nach rechts in eine lange Querpassage in der man sich horizontal in der Wand bewegt. Dabei sind viele Stellen vorhanden die kaum oder gar keine Griffmöglichkeiten am Fels bieten. Das heißt ihr müsst euch viel am Seil festhalten und euch mit den Füßen gegen die Wand stützen. Es sind aber immer wieder Standplätze vorhanden an denen man die Arme ausruhen kann. Von diesen Standplätzen aus kann man schön auf die Eisenbahnstrecke und eine Trailstrecke des Trailcenter Rabenberg schauen, die beide parallel zur Wand im Tal verlaufen. Ein schöner Ausblick und es wird nicht der letzte an dem Tag sein. Nachdem die Arme jetzt wieder ausgeruhter sind geht es in einen Streckenteil bei dem mehrere Ecken im Fels waagerecht überwunden werden müssen. Schon hier geht es ganz leicht nach oben.

Es schließt sich wieder eine leichte Kletterpassage an, in der man vertikal einige Höhenmeter überwindet. Hier könnt ihr euch entscheiden ob ihr mit Hilfe der vorhandenen Griff- und Trittmöglichkeiten am Fels klettert oder ob ihr das Seil nutzt. Egal für welche Variante ihr euch entscheidet, kommt ihr bei der Hälfte dieses Teilabschnittes zum Wandbuch in dem ihr euch verewigen könnt. Es ist auf einem relativ großzügigen Felsvorsprung platziert auf dem man auch bequem zu zweit Platz findet und sich die Zeit zum Schreiben oder Lesen nehmen kann. Wenn man mal etwas stöbert kann man feststellen, dass der Klettersteig rege genutzt wird und auch viele Menschen anzieht die nicht im Erzgebirge wohnen. Vor allem Kletterer aus dem nicht weit entfernten Tschechien finden augenscheinlich sehr oft den Weg hierher.

Nach dieser kleinen „Pause“ geht’s weiter nach oben und nach der Überwindung zweier Felsvorsprünge sieht man schon das Gipfelkreuz, das einen für die letzten Meter motiviert. Am Kreuz angekommen, das aber noch nicht den höchsten Punkt des Steiges markiert, hat man das zweite Mal einen wunderschönen Ausblick auf das Schwarzwassertal und die umliegenden Wälder. An dieser Stelle hat man auch das erste Mal eine Ausstiegsmöglichkeit um die Strecke zu verkürzen, denn von rechts schließt sich ein Weg an, der um den Felsen herumführt und den Klettersteig somit seitlich begleitet. Ebenfalls von rechts führt noch ein zweiter kleiner Klettersteig zum Gipfelkreuz. Dessen Einstieg liegt direkt an dem eben beschriebenen Weg und er ist sehr leicht zu meistern, da er von der Länge und Schwierigkeit hauptsächlich für Kinder konzipiert ist. Er bietet sich aber auch an, um mit Einsteigern den sicheren Umgang mit dem Klettersteigset zu vertiefen.

Entscheidet man sich gegen den Ausstieg am Gipfelkreuz, führt einen der Klettersteig nach links, entlang eines steilen Erdhangs, zur nächsten Felswand. An dieser geht es dann ca. 10 Meter nach oben auf den wirklich höchsten Punkt, an dem aber auf Grund der sehr dicht und nah stehenden Bäume die Aussicht nicht so schön ist. Aus diesem Grund und um die Kinder, die nur ein Teilstück klettern, auch mit dem Gipfelkreuz zu „belohnen“ wurde es wohl etwas tiefer angebracht. Hat man den höchsten Punkt überwunden geht es wieder einige Meter bergab. Hier läuft man aber eher auf Waldwegen und über Felsplatten, als dass man wirklich klettert. Wer will kann sich aber auch hier am Stahlseil sichern. Am Ende dieser Platten kommt man zur nächsten Ausstiegsmöglichkeit und gleichzeitig zum Einstieg des dritten und schwierigsten Streckenabschnitts. Hier finden auch die Erfahreneren unter euch ihre Herausforderung. Er beginnt mit einer Burmabrücke, die es zu überwinden gilt. Dabei handelt es sich um eine Seilbrücke mit einem Mittelseil als Laufweg und zwei Seilen als Handlauf. Wer sich immer noch nichts darunter vorstellen kann findet bei den Fotos am Ende des Beitrags Erleuchtung. Mittels dieser Brücke überquert man eine ca. sieben Meter lange und fünf Meter tiefe Schlucht. Anschließend geht es über ein kleines Plateau heran an den Abstieg. Der wartet mit einer zwölf Meter hohen senkrechten Steilwand auf euch. Gerade der erste Schritt über die Felskante erfordert etwas Mut und Überwindung. Hat man beides gefunden und sich in die Wand gewagt kann man auch hier wieder rein am Fels klettern oder das Seil zur Hilfe nehmen. Beide Varianten erfordern aber Armkraft und Kondition. Das Klettern am Fels ist natürlich noch um einiges schwieriger und insgesamt ist dieser Abschnitt nicht für Kinder zu empfehlen, da die Tritte recht weit auseinander liegen. Wer aber mit dem Mehr an geforderten Mut und Kraft kein Problem hat, kommt hier voll auf seine Kosten und bekommt einen würdigen Abschluss geboten. Der Ausstieg des Klettersteigs ist leider etwas zu hoch geraten. Selbst ich mit meinen 185 cm Körperlänge muss schon meine Zehenspitzen bemühen oder mich vor dem letzten Schritt aushängen um bequem den Boden zu erreichen. Zehn Zentimeter mehr Stahlseil wären hier gut investiert gewesen. Das trübt den Gesamteindruck der Strecke aber nur minimal. Der angesprochene Ausstieg erfolgt genau auf dem Weg der den Klettersteig flankiert und man kann so direkt hinunter zum Schwarzwasser absteigen. Dabei kommt man nochmal am Einstieg für Kinder vorbei und kann sich alternativ nochmal einhängen und nachdem man den Kindersteig gegangen ist, die beiden letzten Streckenabschnitte erneut angehen. Vielleicht entdeckt ihr ja ein paar neue Griff- und Trittmöglichkeiten um den Weg noch besser zu meistern. Entscheidet ihr euch doch dafür ganz abzusteigen oder wieder zum Anfang des Steiges zu gehen findet ihr am Schwarzwasser reichlich schöne Plätze um einfach noch ein paar Minuten die Natur zu genießen und das Erlebte zu rekapitulieren.

Das Fazit

Wer jetzt neugierig geworden ist auf das Thema Klettersteig oder schon länger mit dem Gedanken spielt diesen Sport mal auszuprobieren, ist beim Walter-Keiderling-Klettersteig an der richtigen Stelle. Mit seinen mäßigen Schwierigkeiten, seinen Ausstiegsmöglichkeiten und dem Übungspunkt zu Beginn ist er die richtige Wahl als erster Kontakt mit dem Thema Klettersteig.

Aufgrund der teilweise erreichten Höhen, ist ein die passende Ausrüstung absolut notwendig (und auch durch die Infotafel zwingend vorgeschrieben). Diese besteht aus einem Klettergurt, also Becken- oder Komplettgurt, und einem Klettersteigset mit Bandfalldämpfer. Auf keinen Fall solltet ihr ausschließlich eine Bandschlinge mit Karabiner nutzen, da diese Kombination erhebliches Verletzungspotenzial birgt. Empfehlenswert sind noch ein Helm, idealer Weise ein Kletterhelm, und Handschuhe. Über die perfekte bzw. von mir genutzte Ausrüstung wird in Kürze ein eigener Beitrag folgen. Wer noch nicht über eigene Ausrüstung verfügt und wem auch Bekannte nicht aushelfen können, der kann sich beim Outdoorteam Westerzgebirge in Johanngeorgenstadt Equipment ausleihen.

Solltet ihr euch die Tour für einen Tag mit schönem Wetter vornehmen, gebe ich euch noch einen Tipp mit auf den Weg. Zieht euch nicht zu warm an, denn das recht dunkle Gestein an diesem Klettersteig heizt sich bei Sonnenschein extrem auf. Dadurch kann es in Verbindung mit der Sonne auf dem Rücken und der Anstrengung sehr warm werden. Also übertreibt es nicht mit langer Bekleidung, auch wenn diese zum Klettersteiggehen grundsätzlich besser geeignet ist. Ich wünsche euch viel Spaß beim testen und hoffe, dass die Einsteiger unter euch genau so positive Erfahrungen machen wie ich und sich für das Klettersteiggehen begeistern lassen.

 

P.S.: Zu guter letzt gibt es noch einen Geheimtipp, der mir durch das Outdoorteam zugespielt wurde. Am letzten August-Wochenende wird am Klettersteig in Erlabrunn ein Klettersteigfest veranstaltet. Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Outdoorteams in seiner jetzigen Form wird hier gefeiert. Unter anderem wird es einen Klettersteigwettkampf geben, in dem ihr euch messen könnt. Das Outdoorteam wird noch mehr veranstalten, aber das war bisher selbst für mich zu geheim. ;) Wenn ihr zu diesem Fest auf dem Laufenden bleiben wollt, schaut einfach auf der Seite vom Outdoorteam vorbei. Ich werde mich mühen auch da zu sein.

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