Meine Tour zum Rosskopf (Hohe Tauern)

Meine Tour zum Rosskopf (Hohe Tauern)

Eingetragen bei: Mein Rest der Welt | 0

Es ist mir ein Herzensanliegen euch die Tour zum Rosskopf in den Hohen Tauern vorzustellen. Diese Strecke hat bei mir erst wirklich die Begeisterung für das alpinen Wandern geweckt und ich gehe sie einmal im Jahr – egal welches Wetter mich erwartet.

 

Damit ihr versteht warum ich mir diese Wanderung teils auch bei Schneefall antue muss ich, wie auch auf der Seite über hikerz beschrieben, etwas weiter ausholen.

 

Der Aufstieg zur Zittauer Hütte und in der Folge zum Rosskopf war die Lieblingsstrecke meines Großvaters und so ist es auch zu Stande gekommen, dass ich sie erstmalig im Alter von ca. 15 Jahren gegangen bin. Wie bei jedem Pubertierenden hat sich meine Begeisterung damals am Anfang sehr in Grenzen gehalten. Aber am Ende hatte es mir sogar Spaß gemacht. Danach hatte ich trotzdem nicht das Bedürfnis weiterhin zu wandern.

 

Im Jahr 2011 ist mein Großvater leider auf eben dieser Besteigung zum Rosskopf, und somit auf seiner Lieblingstour, verstorben. Und so habe ich mich 2012 zusammen mit meiner Familie zu diesem Berg auf gemacht um ein Kreuz für ihn anzubringen. Daraus hat sich dann eine jährliche Tradition entwickelt. So brechen wir auch dieses Jahr bald wieder auf um diesen Berg zu besiegen. Neben diesem für mich sehr emotionalen Grund für diese Tour bietet sie aber auch landschaftlich und sportlich so viel Anreiz, dass ich sie euch empfehlen will.

 

Startpunkt der Wanderung ist der Gasthof Finkau im Wildgerlostal. Der Gasthof ist am Ende eines langen Tales durch das nur eine Straße führt und oberhalb eines Stausees gelegen. Da man entlang der schmalen Straße nicht parken kann ist es gut, dass zum Gasthof ein großer Parkplatz gehört. Dessen Nutzung ist zwar kostenpflichtig (außer bei richtig schlechtem Wetter) aber mit 3 Euro für den ganzen Tag erschwinglich. Zudem hat man das Gefühl sein Auto sicher zurück zu lassen.

 

Nachdem man den Gasthof, mit seinem riesigen Angebot zur Kinderunterhaltung (Spielplatz, Cartstrecke, Streichelzoo,…) und den Finkau-See hinter sich gelassen hat, geht es auf leicht ansteigendem Weg hin zur Leitenkammerklamm. Als erstes Highlight des Trips wartet die nicht besonders lange aber schöne Klamm mit genialen Kombinationen aus Steinformationen und Wasserläufen also gleich zu Beginn. Der Weg schlängelt sich in Serpentinen entlang der Klamm und bietet immer wieder Aussichtsplattformen mit ganz besonderen Perspektiven. Das macht den doch sehr steilen Weg kurzweilig und räumt ein paar Pausenzeiten ein. Man kann sich dann zwischen ein paar unwegsamen Abkürzungen oder dem gut ausgebauten aber längeren Versorgungsweg entscheiden um seinen Weg fortzusetzen. Wir entscheiden uns immer für die Abkürzungen, da sie die deutlich schönere Aussicht auf Flora und Fauna bieten. Auch auf dem weiteren Weg, welcher sich an das obere Ende der Klamm anschließt und sich über eine längere Zeit eben hin zieht, ist die Tier- und Pflanzenwelt eine Ablenkung. Neben den obligatorischen Kühen der Hochalmen sind auch immer wieder Murmeltiere zu hören. In den Felsen und Hängen links und rechts des Weges kann man sie mit etwas Glück auch sehen und beobachten. Nach ein paar Kehren kommt man an einem Materialaufzug an, welcher die schon sichtbare Zittauer Hütte versorgt. Ab hier ändert sich der Weg vom befestigten Versorgungsweg zum alpinen Pfad.

 

In diesem Streckenabschnitt geht es über eben diesen schmalen Pfad und große Steine, einige Grate und Windungen hin zu einem Wasserfall. Hier spürt man durch das herabstürzende Wasser und die riesigen Steine, welche durch den Schnee im Winter bewegt wurden die ganze Kraft der Natur. Die muss an dieser Stelle aber die Kraft in den Wanderern wecken, denn es folgt das schwerste Stück der Strecke. Entlang einer steilen Flanke schlängelt sich ein Treppensteig, welcher durch den Österreichischen Alpen Verein (Sektion Warnsdorf/Krimml) jedes Jahr gesichert wird. Es geht steil und mit teils großen Absätzen Berg auf während Seile zum Halt und zur Sicherung den Weg säumen. Hier ist vor allem mit großem Rucksack etwas Kondition gefragt. Spätestens wenn man die Schilder passiert, die auf möglichen Steinschlag hinweisen, merkt man dass man keinen Sonntagsspaziergang mehr macht. Wer stolzer Besitzer eines Alpinhelmes ist, kann und sollte ihn hier ohne schlechtes Gewissen bezüglich des eigenen Aussehens ruhig aufsetzen. All das ist zwar anspruchsvoll aber auch noch mit Kindern machbar, wenn man genügend Zeit einplant.

 

An diese Passage schließen sich noch einige Meter über ein Hochplateau an. Dabei hat man das Zwischenziel, die Zittauer Hütte, schon im Blick. Man quert ein paar Mal den Bachlauf des Wildgerlos und schon ist man bei der Hütte auf 2.328 m angelangt. Die Hütte ist absolut hochwertig renoviert, verfügt sogar über ein Umweltsiegel und ist wunderschön am unteren Gerlossee gelegen. Mit einem schönen Gastraum, einer Sonnenterasse und gutem regionalen Essen lädt sie zum Einkehren ein. Die Speisekarte ist nicht groß aber jedes Gericht überzeugt im Geschmack. Ich spreche aus Erfahrung nachdem ich schon fast alles getestet habe. Auch der Hüttenwirt bzw. seine Familie sind absolute Originale. Man wird von ihnen herzlich bedient und man merkt ihnen die Liebe zu den Bergen an. Entweder beendet man hier seine Tour und geht nach einer reichlichen Portion Mittagessen den Heimweg an, man übernachtet in der Zittauer Hütte und startet am nächsten Tag eine weitere Wanderung zur nächsten Hütte oder man geht weiter auf einen der zahlreichen Gipfel. Über mögliche Tourenvorschläge könnt ihr euch auf der Internetseite der Zittauer Hütte oder des ÖAV informieren. Wir gönnen uns immer ein gutes Essen und eine kurze Pause und entscheiden uns dann für die dritte Variante.

 

Also Rucksack wieder auf und weiter geht es entlang des unteren Gerlossees über große und kleine Steinplatten. Einzig einige Rinnsale die den Weg queren und ihn rutschig machen erfordern etwas mehr Aufmerksamkeit. Ansonsten ist dieser Teilabschnitt relativ einfach zu gehen bis zum kleinen oberen Gerlossee. Dieser ist ein richtiges kleines Bergidyll an dem man schon wieder eine Rast einlegen will oder wie ich Stunden lang Fotos schießen könnte. Will man aber an einem Tag bis zum Gipfel und wieder ganz ins Tal zurück bleibt dafür leider keine Zeit. Also heißt es auch hier wieder –weiter geht’s. Die letzten Höhenmeter steigt man nur noch auf Felsen und großen Steinen immer den Wegmarkierungen entlang. Die typischen rot-weißen Farbzeichen sind teils etwas versteckt an den Felsen angebracht. Deshalb heißt es hier Augen auf damit man auf dem richtigen Weg bleibt. Ich selbst musste schon erleben wie eine junge Wanderin sich hier bei Nebel verirrt hatte und von der Bergwacht geholt werden musste. Hier heißt das, dass der Hüttenwirt mit seinem Hund an uns vorbei den Berg hinauf gerannt ist während ich ihn tief atmend bewundert habe. Bleibt man aber auf dem ausgewiesenen Weg kommt man eine kleine Schlüsselstelle der Tour, an der schon einige kurz vor dem Ziel umdrehen mussten. Ungefähr 20 Meter vor dem Gipfelkreuz muss man auf einem schmalen Pfad einen großen Felsbrocken rechts passieren. An dieser Stelle ist der Weg nur ungefähr 40 Zentimeter breit, es existiert keinerlei Art der Sicherung und nach rechts hin geht es ca. 250 Meter steil bis senkrecht hinab. Hier sollte man absolut schwindelfrei sein oder aber den Wunsch hegen seine Ängste zu besiegen damit man vorbei kommt. Wer dies aber geschafft hat wird mit einem schönen Gipfelkreuz, der Ehre eines Eintrags in das Gipfelbuch und einer traumhaften Aussicht belohnt. Auf den Steinen rings um das Gipfelkreuz ist genug Platz für einen kurzen Augenblick des Genießens und man kann den Blick bis nach Südtirol schweifen lassen. Leider hatte ich erst einmal das Glück den Gipfel bei schönem Wetter genießen zu können. Aber auch ein Aufstieg bei Schnee hat seinen Reiz, da sich völlig andere Eindrücke ergeben.

Und für diesen Fall sollte man sich auf jeden Fall rüsten. Man befindet sich in den Alpen und muss mit schnellen Wetterwechseln und den Temperaturunterschieden in der Höhe rechnen. Das heißt neben Bergschuhen, die für diese Tour zwingend erforderlich sind, sollte man auch von der wärmenden Jacke bis hin zu Mütze und Handschuhen alles im Rucksack mitnehmen. Mich hat der Rosskopf ja wie erwähnt auch schon zweimal im August mit Neuschnee und Schneefall erwartet. Aber dem richtigen Rucksackinhalt für alpine Touren werde mich in einem späteren Beitrag noch ausgiebig widmen.

 

Nach der Pause auf dem Gipfel geht es auf dem gleichen Weg wieder ins Tal und man hat Zeit die Eindrücke zu verarbeiten die der Tag einem geboten hat. Dabei fällt der Blick die ganze Zeit ins Tal und auf die Finkau mit ihrem „Haussee“. Das spornt an und macht den Schritt schneller. Am Ende des Tages zeigt mir mein Handy mit der runtastic-App eine Strecke von rund 23 Kilometern in einer reinen Gehzeit von 8 Stunden und 16 Minuten und einen überwundenen Höhenunterschied von 2283 Metern. Neben diesen ganzen Daten steht aber vor allem eine wunderschöne Tour zu Buche, die es schafft mich jedes Jahr wieder zu fesseln. Wie immer gibt es die GPX-Daten, auch zum Download, und natürlich einige Fotos zur Strecke unterhalb.

 

Ich hoffe ich konnte euch auch nur ansatzweise die Schönheit dieser Wanderung vermitteln und euch motivieren sie zu testen. Also bei mir hat sich während des Schreibens schon wieder die Vorfreude geregt. Und so mache ich mich in wenigen Wochen auch dieses Jahr wieder auf meinem Großvater alle Ehre zu machen.

 

 

P.S.: Ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal von ganzem Herzen bei den Mitgliedern des Österreichischen Alpenvereins und insbesondere der Sektion Warnsdorf/Krimml bedanken. Nachdem das Kreuz, welches wir für meinen Großvater aufgestellt haben leider im ersten Winter der Schneelast zum Opfer gefallen ist haben sie es geborgen und wieder aufgestellt. Es steht jetzt sicher und erwartet uns jedes Jahr am Wegesrand. Vielen Dank für diesen nicht selbstverständlichen Einsatz.

 

 

volle Distanz: 24572 m
Maximale Höhe: 2849 m
Gesamtanstieg: 3044 m
Download

Was meinst du dazu...