Stirnlampen im Vergleich

Stirnlampen im Vergleich

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Die dunkle Jahreszeit ist da, und bringt die Notwendigkeit mit sich etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Als Outdoor-Begeisterter bleibt einem hierbei fast nur der Griff zu einer Stirnlampe, da diese im Handling nicht zu schlagen sind. Auch ich habe mich also zum Kauf einer solchen Lampe entschlossen. Nur leider erschlägt einen das Angebot an geeignet Modellen förmlich. Deshalb ich die notwendige Anschaffung gleich mit dem Nützlichen verbunden – ausgiebig getestet – und das Ergebnis ist dieser Blogeintrag.

Ich habe mir mehrere Stirnlampen zur Auswahl bestellt, da man die Leistung (besonders Leuchtweite etc.) nur in einem direkten Vergleich gegenüberstellen kann.

 

Bestellt hatte ich mir die Black Diamond Storm, die Petzl Stirnlampe Myo RXP, die LED LENSER Kopflampe H7.2 sowie die Zweibrüder LED-Lenser H7R. Bei einer ausgiebigen Nachtwanderung mit Freunden haben wir die Lampen dann getestet. Dabei ging es mir nicht um Lumen-Werte oder genaue Meterzahlen, denn diese kann jeder selbst nachlesen, sondern um die „weichen“ Kriterien, die nirgends beschrieben werden.

 

  • Leuchtweite:

Leuchtweite bringen die beiden Modelle von LED-Lenser am meisten (H7.2 knapp vor H7R), jedoch „fressen“ sie dadurch auch die meiste Energie. Schon nach einer Stunde hatte das Licht sichtbar nachgelassen. Das Modell von Petzl kam in der Leuchtweite als nächstes, brachte die Leistung aber konstant über einen längeren Zeitraum. Die geringste Leuchtweite erbrachte die Lampe von Black Diamond (BD), jedoch zeigte sich über die gesamte Zeit keinerlei Veränderung in der Leuchtweite.

 

  • Ausleuchtung:

Beide LED-Lenser-Modelle zeichnen einen sehr klaren Lichtkreis, mit ganz klaren Kanten. Seitlich davon herrscht dann aber auch absolute Dunkelheit und man sieht nichts, egal wie man den Fokus einstellt. Manche wollen genau das bei einer Stirnlampe. Mir gefällt das nicht, da es nicht meinen Anwendungsbereich (Wandern mit Hund bei Wind und Wetter) entspricht. Das Modell von Petzl zeichnet einen schönen Lichtkreis mit leichter Ausleuchtung der seitlichen Bereiche. Klappt man die angebrachte Streuscheibe vor die Lampe ergibt sich ein schön breiter und sehr homogen ausgeleuchteter Bereich. Die Black Diamond Storm verfügt im ersten Modus (hohe punktuelle Leuchtkraft mit einer sehr starken LED) über einen guten hellen Lichtkreis, der zwar etwas schwammig in den Randbereichen ist, jedoch auch die seitlichen Bereiche dadurch dezent mit ausleuchtet. Im zweiten Modus (mittlere aber dafür sehr breite Ausleuchtung über zwei leicht schräg angeordnete LED) gibt es keinen Leuchtkreis sondern es erfolgt eine gleichmäßige Erhellung des Bereiches vor der Lampe. Dabei wird ca. ein Bereich von 130-140 Grad abgedeckt-Spitzenwert bei meinen getesteten Lampen.

 

  • Fokus:

Auch hier ähneln sich die Modelle von LED-Lenser (die H7R ist die erste Version mit leicht verstärkter Leuchtleistung, die H7.2 ist das Nachfolgemodell ohne die Verstärkung). Beide lassen sich stufenlos fokussieren, vom unglaublich hellen Lichtpunkt bis zu einer breiten Ausleuchtung. Bei der H7.2 fiel hier jedoch negativ auf, dass der Fokusring vorn an der Lampe sehr schwergängig war. Ich hatte teils Angst den einfachen Plastikring zu Beschädigen, da er nur mit Kraft zu bedienen war. Die Petzl verfügt über keinen Fokus. Genauso verhält es sich bei der Lampe von Black Diamond. Beide Lampen gleichen dies über verschiedene Lichtmodi aus, die im nächsten Punkt beschrieben werden.

 

  • Leuchtstärke:

Auch hier sind die Lampen von LED-Lenser wieder gleich. Beide lassen sich über einen extra Kopf bei der H7.2 bzw. einen Hebel bei der H7R stufenlos dimmen. Diese Einstellmöglichkeiten befinden sich je hinten am Akkufach der Lampen. Die Petzl Myo verfügt über zwei Lichtmodi, diese lassen sich über einen Anschluss an einem PC bzgl. der Helligkeit programmieren. Dabei kann man aus 10 Stärken auswählen. Das halte ich für ziemlich aufwendig in der Anwendung, da man nur über Versuch und Irrtum austesten kann, welche Helligkeit man bevorzugt. Die BD Storm lässt sich in beiden der oben beschriebenen Modi (und auch in den beiden weiteren die noch beschrieben werden) stufenlos dimmen. Dies geschieht über ein Drücken und Halten der einzigen vorhandenen Taste. Hat man sich einmal an diese Bedienung gewöhnt ist es völlig unproblematisch. Sehr schönes Extra ist der Boost-Modus. Dieser lässt sich über eine Touch-Funktion an der Seite der Lampe auslösen und schaltet auf maximale Leuchtkraft, egal in welchem Modus man ist. Ein zweites Mal den Finger an das Gehäuse halten führt zur letzten Leuchtstärkeneinstellung zurück.

 

  • Blinklicht:

Alle Lampen verfügen über einen Blinkmodus. Die LED-Lenser haben die Möglichkeit das Blinken auch in der Frequenz zu regeln. Dies ist vom Strobo-Effekt bis langsamen Blinkintervallen von fast einer Sekunde möglich. Fokussierung und Dimmung bleiben möglich. Der Blinkmodus der Petzl blinkt im „SOS“-Modus komplett gem. Morsealphabet. Sehr gut bei alpinen oder allgemeinen Notlagen aber in der Alltagsverwendung eher störend. Eine Dimmung ist nur über das Hochklappen der Streuscheibe möglich. Die Black Diamond blinkt verlässlich und in angenehmer Geschwindigkeit. Dabei kann man sie weiterhin dimmen.

 

  • Akkuleistung:

Alle Lampen werden über Batterien bzw. über externe Akkus betrieben. Keine hat einen eigenen Akkublock. Bei der LED-Lenser H7R werden schon Akkus mitgeliefert, bei den Anderen nur einfache Batterien. Die Petzl wird mit AA-Batterien betrieben, die restlichen Lampen mit AAA-Batterien. Beide LED-Lenser-Modelle haben ein extra Akkufach am Hinterkopf. Dieses Akkufach ist bei der H7R gut gestaltet. Bei der H7.2 ist es überdimensioniert für die AAA Batterien und lässt sich nur sehr schwer öffnen und schließen. Auch hier hatte ich ständig die Angst das Plastikgehäuse zu beschädigen. Die Lampen lassen sich während der Benutzung über ein kleines USB-Kabel laden (z.B. mittels einer Powerbank). Wie schon erwähnt verbrauchen beide Lampen aber relativ viel Energie und hatten deutlich eher als die anderen Modelle bei der leuchtkraft nachgelassen. Auch die Petzl Myo hat ihr Akkufach am Hinterkopf. Dieses ist sehr schön klein gehalten und macht einen soliden Eindruck. Eine Akku- oder Batterieladung hält lange und wird durch die elektronische Steuerung so reguliert, dass über einen langen Zeitraum eine gleichbleibende Leistung erhalten bleibt. Die BD Storm hat ihr Batteriefach direkt am Leuchtkörper und somit stirnseitig. Das verlagert das Gewicht zwar nach vorn, ist aber auf Grund der geringen Gesamtgewichts kein Störfaktor. Die Batterien liefern bei dieser Lampe eine gefühlt unendlich lange Zeit Energie für eine gleichbleibende Leistung. Wie lange kann ich nicht sagen, da ich die Laufzeitgrenze nicht erreicht habe.

 

  • Bedienung:

Die LED-Lenser H7R hat ihren Ein/Ausschalter am Lampenkopf. Dieser lässt sich leicht drücken und ist somit auch anfällig für versehentliches Auslösen, was eher negativ ist. Dimmen funktioniert über den Hebel am Batteriefach sehr angenehm und gut erreichbar. Der Fokus lässt sich über einen kleinen Hebel am Lampenkörper regeln. Gute und stabile Lösung die auch mit etwas dickeren Handschuhen noch zu bedienen ist. Nur die Neigung der Lampe nach vorn ist sehr enttäuschend. Diese ist so locker verstellbar, dass die Lampe mehrfach nach vorn „abknickte“ und das Licht nicht mehr dorthin fiel wo es sollte sondern auf meine Füße.

Die LED-Lenser H7.2 hat einen etwas besser gesicherten Ein/Ausschalter (härterer Druckpunkt, flacher Knopf), kann aber immer noch versehentlich in Betrieb genommen werden. Dimmung über den großen Drehknopf am Batteriefach ist sehr angenehm zu bedienen. Nur der angesprochene Fokusring ist eine absolute Fehlkonstruktion und ein Rückschritt im Vergleich zur guten Lösung des Vorgängermodells. Die Neigungsrasten sind angenehm schwergängig und halten gut eine feste Position.

Die Petzl Myo hat den Ein/Ausschalter an der Oberseite des Lampenkörpers. Dieser ist aber sehr klein gehalten und lässt sich schon ohne Handschuhe mit meinen großen Händen kaum bedienen. Dieser Schalter dient auch zur Auswahl der Leuchtmodi und muss somit häufiger bedient werden, weshalb die geringe Größe mich persönlich sehr gestört hat. Es gibt zusätzlich noch einen kleinen Sperrschalter, der versehentliches Einschalten verhindern soll. Dies tut er auch relativ zuverlässig, ist aber auch so klein, dass er mich an die Grenzen meiner Feinmotorik geführt hat. Die Streuscheibe lässt sich gut hoch und runter klappen ist aber natürlich ein zusätzliches Plastikteil, dass leichter kaputt gehen kann. Sie lässt sich aber als Ersatzteil bestellen und austauschen. Auch hier sind die Neigungsrasten sind angenehm fest und halten gut.

Die Black Diamond Storm hat einen Schalter für alles. Ein- und Ausschalten, Leuchtmodiwahl, Dimmen – alles durch unterschiedlich langes oder häufiges Drücken auf den Druckknopf. Dieser ist schön groß, hat einen angenehmen Druckpunkt und ist auch mit Handschuhen gut bedienbar. Durch 6-sekündiges Drücken der Taste lässt sich ein Hold-Modus aktivieren, wodurch die ungewollte Inbetriebnahme verhindert wird. Und das hier wirklich verlässlich-ein großes Plus aus meiner Sicht. An der Seite der Lampe befindet sich noch der angesprochene Touch-Schalter für den Boost-Modus. Einfach den Finger auflegen und der oben beschriebene Erfolg tritt ein. Dieser Schalter lässt sich auch mit dünnen Wollhandschuhen noch betätigen. Nur mit dicken Handschuhen ist dies nicht mehr möglich. Die Rastung bei der Neigung ist sehr gut und hält die Lampe stabil in der gewünschten Position.

 

  • Haltevorrichtungen:

Alle Kopfbänder zum Tragen der Stirnlampen sind gut einzustellen und lassen sich sehr angenehm tragen. Die Lampen mit dem Batteriefach hinten zeigen eine andere Gewichtsverteilung, die aber mit durchdachten Anordnungen der Bänder gut gelöst wurden. Die Petzl hat im Lieferumfang sogar noch ein weiteres Band welches man über den Kopf spannen kann um einen noch besseren Halt zu erreichen. Das ist aber aus meiner Sicht nicht notwendig.

 

  • Preis:

Die beiden LED-Lenser liegen bei ca. 50-55 Euro und somit im Mittelfeld. Die Petzl Myo ist für ca. 60 Euro zu haben und die teuerste. Die BD Storm gibt es für ungefähr 45 Euro.

 

  • Sonstiges:

Alle Lampen sind spritzwassergeschützt. Die Batteriefachverschlüsse der LED-Lenser-Lampen machen mir aber den Eindruck als wenn bei einem Starkregen Wasser eindringen könnte. Der Petzl Myo schenke ich da mehr Vertrauen. Die BD Storm ist sogar komplett wasserdicht. Da ich bei jedem Wetter mit der Lampe unterwegs bin gibt mir das ein gewisses Gefühl von Sicherheit. Für mich persönlich ein ganz großer positiver Punkt.

Im Lieferumfang der LED-Lenser H7R ist eine kleine Neoprentasche für die Lampe enthalten um die Lampe sicher zu transportieren. Diese ist zwar sehr klein gehalten aber man bekommt die Lampe unter – somit ein schöner Bonus.

Die BD Storm hat neben den Leuchtmodi Spot und Breitenausleuchtung (siehe oben) und dem Blinkmodus noch einen weiteren. Die Lampe kann über zwei weitere LEDs noch Rotlicht erzeugen. Dieses ist super um den Nahbereich zu erleuchten. Wenn man etwas im Rucksack sucht oder eine Karte liest ist erhellt das Rotlicht den Nahbereich ohne, dass man geblendet wird. Eine sehr gute Funktion wenn sich die Augen schon an die Dunkelheit gewöhnt haben.

 

  • Fazit:

Für mich war der Testsieger die Black Diamond Storm.

Beim Wandern benötige ich eher ein breites Leuchtfeld und keine Spot-Wirkung benötige. Die BD Storm leuchtet dieses sehr gut aus, kann aber auch mal einen Punkt sehr stark anstrahlen. Dabei bleiben die Randbereiche trotzdem mit angeleuchtet und man tappt nicht ganz im Dunkeln. Und diese Leistung bringt die BD Storm kontinuierlich über einen langen Zeitraum, da sie sehr sparsam ist. Die Zusatzfunktionen wie Rotlicht, Boost und Holdfunktion nutze ich häufig und waren für mich ein absolutes Kaufargument. Zudem sind das wasserdichte Gehäuse und das angenehm breite Kopfband für mich Garanten dafür, dass ich lange Spaß mit dieser Stirnlampe habe. In Verbindung mit dem geringsten Preis haben mich diese Punkte zum Kauf der Black Diamond Storm bewogen.

 

Diese Entscheidung habe ich noch keine Sekunde bereut – klare Weiterempfehlung!

 

Natürlich ist das nur ein kleiner Auszug aus der Masse an verfügbaren Stirnampen, aber die „Bestseller“ habe ich hoffentlich ausreichend betrachtet. Ich hoffe, dass ihr euch jetzt ein besseres Bild machen könnt. Und solltet ihr euch zum Kauf einer dieser Lampen durchringen, wünsche ich euch viel Spaß beim Einsatz.

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