Wenn der Wald „geschlossen“ ist…

Wenn der Wald „geschlossen“ ist…

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Den meisten Menschen, die sich gern und viel im Wald bewegen, ist es bestimmt schon einmal so gegangen:

 

Man plant eine größere Tour, setzt sich vielleicht sogar eine Laufzeit als Ziel und wandert los. Und mitten auf der Strecke ist dann auf einmal der Waldweg mit dem Hinweis „Baumfäll-/Forstarbeiten“ gesperrt. Auch mir erging es vor kurzem wieder so und ich musste einen erheblichen Umweg in Kauf nehmen. Dieses Phänomen trifft einen erfahrungsgemäß meist im Winter.

 

Nachdem mein erster Ärger verflogen war, setzte ich mich zu Hause einmal mit diesem Thema auseinander. Und wie es der Zufall wollte, stolperte ich in einer Lokalzeitung über die Aussage unseres Revierförsters:

„Das ist bei uns die Erntezeit. In der kalten Jahreszeit schützt der Schnee beim Einschlag andere Bäume.“ Zudem verhindere der gefrorene Boden, dass die Rückefahrzeuge tiefe Spuren hinterlassen.

Und mit dieser Aussage erfasste er gleich den zweiten Punkt über den ich mich bei Winterwanderungen ärgere – die durch Forstfahrzeuge umgegrabenen Waldwege. Dadurch war mein Interesse noch mehr geweckt und ich kämpfte mich durch das Internet.

 

Dabei stolperte ich als erstes über interessante und für mich völlig unerwartete Fakten:

  • Das Erzgebirge ist mit der tschechischen Seite Teil des zweitgrößten zusammenhängenden Waldgebietes in Europa.
  • Circa 30 Prozent Sachsens sind bewaldet, wobei hier ein Großteil auf die sächsischen Mittelgebirge entfällt.
  • Deutschland ist das holzreichste Land der EU

Gerade der letze Punkt hat mich sehr überrascht, da man bei großen unerschöpflichen Wäldern eigentlich eher an Skandinavien als an Deutschland denkt.

 

Bei diesem Schmökern in Fakten stieß ich auf die Seite des Sachsenforst, auf der mir weitere Gründe benannt wurden warum es gerade im Winter zu den oben geschilderten Situationen kommt. Die Bäume sind im Winter kahl, wodurch die Forstarbeiter den Schwerpunkt und auch die Fallrichtung der zu fällenden Bäume besser einschätzen können. Das trifft natürlich besonders auf Laubbäume zu. Außerdem stehen die Bäume im nicht im Saft bzw. nicht im Wachstum, sind dadurch nicht so widerstandsfähig und nass. Des Weiteren erleichtert der Frost die Arbeit der schweren Arbeitsmaschinen auf den sonst weichen Waldböden. Dadurch können die Fahrzeuge leichter vorankommen, die Waldböden werden weniger leicht aufgerissen und der Wald somit geschützt. Auch die umstürzenden Bäume können bei Schnee und Frost wie oben erwähnt nicht so viel Schaden anrichten wenn sie auf dem Boden einschlagen. Leider ist der Frost in den letzten Jahren nicht mehr so durchgängig vorhanden wie früher wodurch die tiefen Matschrillen auf den Waldwegen entstehen die bestimmt schon jeder Wanderer verflucht hat. Diese Ausführungen lieferten mir eine Erklärung dafür, warum der Wald gerade im Winter so geschunden wird aber stellten mich noch nicht wirklich zufrieden.

 

Auf der Seite des Sachsenforstes las ich immer wieder das Wort Nachhaltigkeit. Die Waldwirtschaft in Sachsen und in Deutschland insgesamt würde immer diesem Anspruch der Nachhaltigkeit folgen. Daran zweifelte ich, nachdem ich im Geschäftsbericht des Sachsenforstes aus dem Jahr 2013 gelesen hatte, dass 1.055.000 Festmeter Holz in Sachsen gefällt wurden. Auch meine persönlichen Wahrnehmungen auf meinen Wanderungen, mit fast völlig kahlgeschlagenen großen Flächen mitten im Wald, ließen mich etwas anderes vermuten. Diese Zweifel hielten an, bis ich auf die Seite www.forstwirtschaft-in-deutschland.de gestoßen bin. Hier ist schön beschrieben, dass dieses Prinzip der Nachhaltigkeit schon im 18. Jahrhundert hier in meiner Heimat Sachsen entstanden ist. Über die Zeit und mit der Einsicht dass ein Raubbau am Wald den Menschen nur schadet, hat diese Grundeinstellung in die Forstwirtschaft in ganz Europa Einzug gefunden. Deutschland geht hier mit gutem Beispiel voran, indem kranke Bäume oder Bäume mit schlechtem Stand vom lokalen Förster gesucht und zu Fällung markiert werden damit die gesunden besser wachsen können. Weiterhin verfügt Deutschland über umfangreiche Aufforstungsprogramme die für neue Waldflächen sorgen. Insgesamt nimmt der Waldbestand in Deutschland durch diese Maßnahmen seit Jahren kontinuierlich zu.

Die Forstwirtschaft ist natürlich auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor, sorgt für Arbeitsplätze und durch den Verkauf des Holzes für Geld in den öffentlichen Kassen. So hat der Sachsenforst zum Beispiel im Jahr 2013 einen Überschuss von ca. 10,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Ein Großteil dieses Geldes fließt aber zurück in den Wald. Mit diesem werden die durch die Fällarbeiten entstandenen Schäden repariert aber auch Erholungsgebiete, Schutzhütten und Waldwege errichtet oder um- bzw. ausgebaut. Und ein vergrößertes Waldwegenetz ist aus meiner Sicht immer gut.

 

Nach all diesen recht interessanten Artikeln, Internetseiten und Fakten stehe ich bestimmt bald wieder vor einer solchen Absperrung, werde aber das bunte Treiben der Arbeitsmaschinen dahinter mit anderen Augen. Und auf dem Umweg den ich dann laufen muss, werde ich über diesen Beitrag nachdenken und mich schon mal auf die neu entstehenden Waldwege freuen.

Was meinst du dazu...